Empowerment durch das Ehrenamt
Warum Geben deine stärkste Kraftquelle ist.
In meiner täglichen Arbeit als Coach begegne ich oft Menschen, die nach einem tieferen Sinn suchen. Wir optimieren unsere Karriere, feilen an unserer Resilienz und versuchen, im stressigen Alltag die Balance zu halten. Doch ein mächtiger Hebel für echte Lebenszufriedenheit wird oft unterschätzt: das ehrenamtliche Engagement.
Der „Engagement-Knick“: Warum wir gerade jetzt hinschauen müssen
Vielleicht hast du es in den Nachrichten gehört: Das Ehrenamt in Deutschland steht vor einer Herausforderung. Lange Zeit kannten die Zahlen nur den Weg nach oben, doch der aktuelle Freiwilligensurvey (2024) zeigt erstmals einen deutlichen Rückgang. Während 2019 noch knapp 40 % der Menschen ab 14 Jahren aktiv waren, ist die Quote auf 36,7 % gesunken. Das sind rund zwei Millionen Menschen weniger, die sich einbringen.
Besonders Mütter und Menschen, die durch die Pandemie den Anschluss an ihre Vereine verloren haben, ziehen sich zurück. Ich finde: Das ist ein Warnsignal, das wir ernst nehmen sollten – nicht nur für die Gesellschaft, sondern für jeden Einzelnen von uns. Denn wenn wir uns nicht mehr engagieren, verlieren wir eine der wertvollsten Quellen für persönliches Empowerment.
Empowerment: Vom Beifahrer zum Gestalter
Für mich bedeutet Empowerment, die Zügel des eigenen Lebens wieder selbst in die Hand zu nehmen. Im Job oder im Privatleben fühlen wir uns oft in Rollen gedrängt oder von äußeren Umständen fremdbestimmt.
Wenn du dich ehrenamtlich engagierst, wechselst du die Perspektive. Du erlebst Selbstwirksamkeit in ihrer reinsten Form: Du tust etwas, und du siehst unmittelbar, dass es einen Unterschied macht. Dieses Wissen – „Ich kann etwas bewirken“ – ist das beste Training für dein Selbstbewusstsein und deine innere Widerstandsfähigkeit.
Meine Ehrenämter: Hospizdienst und Umwelt
Seit 2025 engagiere ich mich im Hospizdienst. Diese Arbeit ist intensiv und konfrontiert mich unmittelbar mit der Endlichkeit. Doch genau darin liegt ein unglaubliches Empowerment: Die Begleitung von Menschen auf ihrem letzten Weg lehrt mich Demut und schärft meinen Blick für das, was im Leben wirklich zählt. Es ist ein tiefes Gefühl von Sinnhaftigkeit, das mich immer wieder erdet und dankbar macht. Ein Beispiel dafür, was ich im Hospizdienst gelernt habe, erfährst du in meiner ersten „Persönlichen Story„.
Ein ehemaliger Kollege machte mich auf ein weiteres Ehrenamt aufmerksam, welches wenig Zeit in Anspruch nimmt und mein Biologenherz höher schlagen lässt: Ich werde Otterspotter.
Aufgabe eines Otterspotter ist es nach Spuren von Fischottern zu suchen und Funde digital zu melden. So können der Wissenschaft wichtige flächendeckende Daten geliefert werden, die helfen, die Verbreitung der Tiere zu überwachen und konkrete Schutzmaßnahmen – wie sicherere Verkehrswege – für den Erhalt ihrer Art umzusetzen.
Foto: Ich mit meinem Vater, der 2022 verstorben ist und vom Hospizdienst begleitet wurde. Meine Inspiration für dieses besondere Ehrenamt.
Ehremamt & Longevity
Wusstest du, dass Helfen fast wie eine Verjüngungskur wirkt? Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein, aber aktuelle Studien belegen: Menschen, die sich aus echter Überzeugung engagieren, leben statistisch gesehen länger. Regelmäßiges Engagement senkt das Stresslevel, schützt vor Einsamkeit und steigert die Lebenszufriedenheit.
Aktuelle Studiendaten: Regelmäßiges ehrenamtliches Engagement von mindestens 100 Stunden pro Jahr reduziert das Sterberisiko, fördert die körperliche Fitness und schützt vor Einschränkungen der Mobilität. Zudem verbessert das Ehrenamt das psychische Wohlbefinden erheblich, indem es Optimismus sowie das Gefühl von Lebenssinn stärkt und Einsamkeit sowie depressive Symptome mindert.
Keine Zeit für ein Ehrenamt?
Wenn du aktuell einfach keine Kapazität für ein Ehrenamt hast, kannst du trotzdem aktiv einen Beitrag leisten. Hier meine Top Empfehlungen:
Finanzielle Power (Spenden): Ob Dauerspende oder Anlassbezogen. Oft kannst du mit kleinen Beiträgen großes bewirken. Wenn du sichergehen willst, dass dein Geld die maximale Wirkung erzielt, schau dir Plattformen wie GiveWell oder Effizient Spenden an.
Digitales Mikro-Engagement: Hilf per App, wann immer du 10 Minuten Zeit hast. Mit „Be My Eyes„ wirst du zum sehenden Auge für blinde Menschen via Videochat.
Punktuelle Aktionen: Einmalige Einsätze wie ein Cleanup Day, eine Blutspende oder gezielte Sachspenden für die lokale Tafel lassen sich meist schnell erledigen.
Mein Mikro-Engagement
- Einmalige Spenden, z.B. Statt Böller spende ich bei UNICEF für Projekte gegen Genitalverstümmelung bei Mädchen.
- Regelmäßige Spenden: Walpatenschaft bei WDC, Schulpatenschaft bei Abaana Afrika.
- Müllsammeln beim Waldspaziergang oder einer Paddeltour auf Leine und Stichkanal
- Blutspenden, Registrierung zur Knochenmakrsspende
- Impulsvorträge für Veranstaltungen der Frauenselbsthilfe bei Krebs
- Teilnahme am The May 50K. Ich plane 500 Kilometer zu laufen für Forschung für Menschen mit Multipler Sklerose. Hier meine Spendenseite 2026 mit aktuellen Updates zum Stand meiner Challenge.
Die gesunde Grenze: Achte auf dich selbst!
Als Expertin für Stressmanagement muss ich dir aber auch eine Sache ans Herz legen: Ehrenamt ist kein Allheilmittel, wenn du dabei deine eigenen Grenzen überrennst. Damit dein Engagement eine Kraftquelle bleibt, achte auf diese Anzeichen:
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Selbstausbeutung: Fühlt sich das „Ja“ zum Ehrenamt wie ein „Nein“ zu dir selbst an?
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Emotionale Überlastung: Kannst du die Themen am Abend loslassen? (Besonders wichtig in Bereichen wie dem Hospizdienst!)
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Fehlende Abgrenzung: Wird das Ehrenamt zur Flucht vor eigenen Baustellen?
Echtes Empowerment bedeutet auch, „Nein“ sagen zu können, wenn die eigenen Batterien leer sind. Wahre Selbstführung heißt, auch im Geben die eigenen Ressourcen im Blick zu behalten.
Ich selbst habe meine ehrenamtliche Tätigkeit bewusst in eine Lebensphase gelegt, in der ich mehr Freiräume habe (Kinder sind volljährig). Zusätzlich möchte ich dem Empty Nest Syndrom vorbeugen und mich für die Leere, die entstehen wird, wenn Kinder ausziehen rüsten.
Für mich der ideale Zeitpunkt mich ehrenamtlich zu engagieren!
Wenn du bereits am Limit läufst schau dir meine 5 Strategien gegen Mehrfachbelastung an oder nutze diese 3 Entspannungshacks für zwischendurch.
Fazit: Ehrenamt ist ein Geschenk
Trotz der sinkenden Statistiken bin ich überzeugt: Das Ehrenamt ist ein Geschenk – vor allem an dich selbst. Wenn du ein Feld findest, das zu deinen Werten passt, wirst du merken, wie deine Lebensenergie steigt. Du beschenkst die Gemeinschaft mit deiner Zeit, und die Gemeinschaft beschenkt dich mit Sinn, Gesundheit und einem erfüllten Leben.
Was ist dein Herzensprojekt? Wo wolltest du schon immer mal einen Unterschied machen?
Praktisch & konkret
Wo finde ich mein Herzensprojekt?
Es muss nicht immer der klassische Verein um die Ecke sein. Es gibt tolle digitale und lokale Möglichkeiten, die genau zu deinem Zeitplan passen:
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Online-Plattformen: Portale wie vostel.de oder GoVolunteer funktionieren fast wie Dating-Apps für den guten Zweck. Du gibst deine Interessen ein und findest Projekte in deiner Nähe (oder sogar remote).
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Freiwilligenagenturen: In fast jeder Stadt gibt es Beratungsstellen, die dich persönlich unterstützen, das passende Ehrenamt zu finden – abgestimmt auf deine Stärken und Kapazitäten.
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Deine Kommune: Schau auf der Website deiner Stadt oder deines Bundeslandes nach der „Ehrenamtssuchmaschine“. Dort findest du oft sehr spezifische, lokale Bedarfe.
Dankeschön der Gesellschaft: Deine Vorteile
Auch wenn wir es für die Sache tun, ist Wertschätzung wichtig. Deutschland bietet dir als Ehrenamtler handfeste Vorteile:
Die Ehrenamtskarte: Wenn du dich regelmäßig engagierst, kannst du sie beantragen. Sie schenkt dir Rabatte bei Museen, Schwimmbädern, Kinos und sogar bei privaten Partnern wie Versicherungen oder Cafés. Die Bedingungen und Vergünstigungen unterscheiden sich lokal. Informationen erhältst du bei der Stadtverwaltung.
Steuerliche Freibeträge (Stand 2026): Engagement wird auch finanziell anerkannt. Die Ehrenamtspauschale wurde zum 1. Januar 2026 auf 960 € pro Jahr erhöht.
Versicherungsschutz & Weiterbildung: Während deines Einsatzes bist du meist unfall- und haftpflichtversichert. Zudem bieten viele Organisationen ihren Freiwilligen kostenlose Coachings oder Fachfortbildungen an – ein toller Boost für deine persönliche Entwicklung.






